200 Jahre Bürmooser Moor

Vom Rohstoff zum Schutzgebiet.

Die Geschichte von Bürmoos ist die Geschichte seines Torfs: Glasbläser, Ziegelbrenner, Torfstecher — und schließlich die Menschen, die das Verlorene zurückholten.

1802

Erste Erwähnung

Landrichter Seethaler berichtet, dass im „Biermoos“ Torf gestochen wird. Der Beginn einer 200-jährigen Industriegeschichte.

1872

Die Glashütte kommt

Ignaz Glaser gründet die Glashütte. Ihre Öfen laufen das ganze Jahr – befeuert mit Torf aus dem eigenen Moor.

um 1900

Höhepunkt

Bis zu 600 Torfstecher, rund 100.000 m³ Torf pro Jahr. Bürmoos wird zum Zentrum der Torfgewinnung.

1929

Ende des Glases

Neue Technologien und billigere Brennstoffe machen die Glasproduktion unrentabel. Die Hütte schließt.

1953

Von der Hand zur Maschine

Die Stickstoffwerke Linz fräsen große Flächen maschinell ab. Der Torf wird zu Gartenerde verarbeitet.

1983

Die Initiativgruppe

Eine Gruppe Bürmooser fordert die naturnahe Renaturierung der abgeernteten Frästorfflächen. Der Anfang von allem.

1984

Der Gemeindebeschluss

Am 17. Dezember beschließt die Gemeindevertretung einstimmig, die Abbauflächen in eine „moos- und moorähnliche Landschaft“ zurückzuführen.

1992

Verein & Grunderwerb

23 Hektar Wald- und Moorfläche werden angekauft und von Bauland in Grünland umgewidmet. Am 3. Dezember wird der Verein gegründet.

1996–2006

Der Moorerlebnisweg

In zehn Jahren entsteht der Natur- und Kulturlehrpfad mit 18 Stationen – vom Kindergarten bis zum Schautorfstich.

2000

Schluss mit Torf

Die Lager im Frästorfgebiet Zehmemoos sind erschöpft. Zurück bleibt eine wüstenähnliche Landschaft.

2010

Gemeindechampion

Bürmoos wird aus über 120 Bewerbern zur österreichischen Gemeinde mit der größten Artenvielfalt gewählt.

2014

Schutz für den Kammmolch

Das Natur- und Europa-Vogelschutzgebiet wird zusätzlich Fauna-Flora-Habitat-Gebiet für den Kammmolch.

Heute

Ein Moor im Werden

105 Hektar in Betreuung, rund 2.500 ehrenamtliche Stunden pro Jahr. Das Moor wächst zurück – einen Millimeter im Jahr.

1802Heute
Torf als Heizmittel

Rund 600 Torfstecher arbeiteten hier in der Saison. Sie kamen aus Norditalien, dem Mühlviertel und dem Böhmerwald.

Die Glas- und Ziegelöfen von Ignaz Glaser wurden mit Torf beheizt, teils direkt, teils als Torfgeneratorgas. Der Bedarf war enorm: In manchen Jahren mehr als 100.000 Kubikmeter. Gewonnen wurde alles von Hand.

Weil der Boden im Winter gefroren war, begann die Saison traditionell am Josefitag, dem 19. März, und zog sich bis in den Spätsommer — bei brütender Hitze ebenso wie bei Kälte und Regen. Eine Zweierpartie aus Stecher und Radler:in schaffte etwa 3.000 Torfwasen am Tag. Über den Herbst trockneten die Wasen, dann kamen sie in die Torfhütten.

Die Saisonarbeiter wohnten in einfachen Baracken. Viele blieben und prägten die Identität des Ortes. Der Verein selbst nennt die damalige Handarbeit rückblickend „Sklavenarbeit“ — und zugleich war sie für viele die einzige Möglichkeit, außerhalb der Heimat den Lebensunterhalt zu verdienen.

Die Spuren sind noch da. Die alten Torfstiche im Moorwald sind bis heute sichtbar, und wo genug Wasser steht, besiedeln Torfmoose sie langsam wieder.

Zum Trocknen aufgesetzte Torfwasen
Aufgesetzte Torfwasen. Erst nach dem Trocknen ließ sich der Torf lagern und verfeuern.
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Torfstecher arbeiteten in Spitzenzeiten pro Saison im Bürmooser Torffeld.
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Torfwasen schaffte eine Zweierpartie aus Stecher und Radler:in an einem Tag.
19.März
Josefitag — traditioneller Beginn der Saison, sobald der Boden aufgetaut war.
Schautorfstechen

Gestochen
wie damals.

Einmal im Jahr wird der Handbetrieb vorgeführt — mit demselben Werkzeug und in denselben Schichten wie zur Zeit des Abbaus.

Im Stich
Im Stich Der Torf wird waagrecht in Lagen abgetragen. Was hier freiliegt, ist über Jahrtausende gewachsen.
Frisch gestochene Wasen
Frisch gestochene Wasen So kommen sie aus dem Stich. Nass wiegen sie ein Vielfaches des getrockneten Torfs.
Zum Trocknen aufgeschlichtet
Zum Trocknen aufgeschlichtet Locker gestapelt, damit Luft durchzieht. Erst nach Wochen im Feld war der Torf brennbar.
Die goldenen Zeiten

Glas, Ziegel
und ein Fehlschlag.

Der Bürmooser Torf galt als außergewöhnlich brennfreudig. Genau das machte ihn für die Glashütte wertvoll — und den Ort für ein knappes Jahrhundert wohlhabend.

1872–1929

Die Glashütte

Die Glasproduktion beginnt 1872 und erlebt um 1900 ihren Höhepunkt. Um die nötigen rund 1.500 °C zu erreichen, wurde der Torf in Generatoren vergast — anders als im Böhmerwald, wo mit Holz, oder in Brüx, wo mit Kohle geheizt wurde. 1929 zwingen neue Technologien und billigere Brennstoffe zur Schließung.

1896–1970er

Die Ziegelei

Ab 1896 wird Torf auch für die Ziegelproduktion abgebaut, in den 1920er Jahren erreicht sie ihren Höhepunkt. Spezielle Öfen verfeuerten den Torf zum Brennen der Ziegel. Bis in die 1970er Jahre bleibt die Ziegelherstellung ein bedeutender Wirtschaftszweig, dann verdrängen Beton und Stahl sie.

1862–1866

Die Torfkohlenanstalt

Der Salzburger Bürgermeister Heinrich Ritter von Mertens gründet 1862 eine Torfkohlefabrik am Moorrand — dort, wo heute Gemeindezentrum und Dentalwerk stehen. Torfkoks sollte Hochöfen und Lokomotiven heizen. Die Technik war unausgereift: 1866 folgt der Konkurs, Mertens verliert sein gesamtes Vermögen.

Heute

Was geblieben ist

Denkmäler im Ort und das Torf-Glas-Ziegel-Museum erinnern an die Zeit. Und der Name: Aus Birkmoos wurde über Birchmoos und Biermoos das heutige Bürmoos — eine Landschaft, die einst von Birken über weiten Moorflächen geprägt war.

„Vorwärts – denn Stillstand ist Rückschritt.“

Ignaz Glaser, Gründer der Bürmooser Glashütte

Der Satz stammt von dem Mann, dessen Öfen das Moor verbrauchten. Der Verein hat ihn behalten und die Richtung umgedreht.

Rodinger Winkel · 1985 und heute

Aus einer Wüste
wird wieder Moor.

Nach dem Ende des Frästorfabbaus im Jahr 2000 blieb eine wüstenähnliche Fläche zurück – teilweise bis auf den Lehmuntergrund abgetragen. Ziehen Sie den Regler, um zu sehen, was vierzig Jahre Wiedervernässung bewirken.

Luftbild des abgetorften Rodinger Winkels Luftbild des renaturierten Rodinger Winkels heute Nach dem Abbau Heute

Links: Luftbild aus der Zeit des Frästorfabbaus. Rechts: der Rodinger Winkel heute, nach Grabenaufstau und natürlicher Wiederbesiedlung.

Ein Millimeter im Jahr

Das Moor braucht Zeit. Wir haben sie.

Für zwölf Euro im Jahr werden Sie Teil einer Arbeit, die in Jahrzehnten gerechnet wird – und die schon heute sichtbar ist.