Erste Erwähnung
Landrichter Seethaler berichtet, dass im „Biermoos“ Torf gestochen wird. Der Beginn einer 200-jährigen Industriegeschichte.

Die Geschichte von Bürmoos ist die Geschichte seines Torfs: Glasbläser, Ziegelbrenner, Torfstecher — und schließlich die Menschen, die das Verlorene zurückholten.
Rund 600 Torfstecher arbeiteten hier in der Saison. Sie kamen aus Norditalien, dem Mühlviertel und dem Böhmerwald.
Die Glas- und Ziegelöfen von Ignaz Glaser wurden mit Torf beheizt, teils direkt, teils als Torfgeneratorgas. Der Bedarf war enorm: In manchen Jahren mehr als 100.000 Kubikmeter. Gewonnen wurde alles von Hand.
Weil der Boden im Winter gefroren war, begann die Saison traditionell am Josefitag, dem 19. März, und zog sich bis in den Spätsommer — bei brütender Hitze ebenso wie bei Kälte und Regen. Eine Zweierpartie aus Stecher und Radler:in schaffte etwa 3.000 Torfwasen am Tag. Über den Herbst trockneten die Wasen, dann kamen sie in die Torfhütten.
Die Saisonarbeiter wohnten in einfachen Baracken. Viele blieben und prägten die Identität des Ortes. Der Verein selbst nennt die damalige Handarbeit rückblickend „Sklavenarbeit“ — und zugleich war sie für viele die einzige Möglichkeit, außerhalb der Heimat den Lebensunterhalt zu verdienen.
Die Spuren sind noch da. Die alten Torfstiche im Moorwald sind bis heute sichtbar, und wo genug Wasser steht, besiedeln Torfmoose sie langsam wieder.

Einmal im Jahr wird der Handbetrieb vorgeführt — mit demselben Werkzeug und in denselben Schichten wie zur Zeit des Abbaus.
Der Bürmooser Torf galt als außergewöhnlich brennfreudig. Genau das machte ihn für die Glashütte wertvoll — und den Ort für ein knappes Jahrhundert wohlhabend.
Die Glasproduktion beginnt 1872 und erlebt um 1900 ihren Höhepunkt. Um die nötigen rund 1.500 °C zu erreichen, wurde der Torf in Generatoren vergast — anders als im Böhmerwald, wo mit Holz, oder in Brüx, wo mit Kohle geheizt wurde. 1929 zwingen neue Technologien und billigere Brennstoffe zur Schließung.
Ab 1896 wird Torf auch für die Ziegelproduktion abgebaut, in den 1920er Jahren erreicht sie ihren Höhepunkt. Spezielle Öfen verfeuerten den Torf zum Brennen der Ziegel. Bis in die 1970er Jahre bleibt die Ziegelherstellung ein bedeutender Wirtschaftszweig, dann verdrängen Beton und Stahl sie.
Der Salzburger Bürgermeister Heinrich Ritter von Mertens gründet 1862 eine Torfkohlefabrik am Moorrand — dort, wo heute Gemeindezentrum und Dentalwerk stehen. Torfkoks sollte Hochöfen und Lokomotiven heizen. Die Technik war unausgereift: 1866 folgt der Konkurs, Mertens verliert sein gesamtes Vermögen.
Denkmäler im Ort und das Torf-Glas-Ziegel-Museum erinnern an die Zeit. Und der Name: Aus Birkmoos wurde über Birchmoos und Biermoos das heutige Bürmoos — eine Landschaft, die einst von Birken über weiten Moorflächen geprägt war.
„Vorwärts – denn Stillstand ist Rückschritt.“
Ignaz Glaser, Gründer der Bürmooser Glashütte
Der Satz stammt von dem Mann, dessen Öfen das Moor verbrauchten. Der Verein hat ihn behalten und die Richtung umgedreht.
Nach dem Ende des Frästorfabbaus im Jahr 2000 blieb eine wüstenähnliche Fläche zurück – teilweise bis auf den Lehmuntergrund abgetragen. Ziehen Sie den Regler, um zu sehen, was vierzig Jahre Wiedervernässung bewirken.
Nach dem Abbau
Heute
Links: Luftbild aus der Zeit des Frästorfabbaus. Rechts: der Rodinger Winkel heute, nach Grabenaufstau und natürlicher Wiederbesiedlung.
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