Natur- und Europaschutzgebiet

Ein Ökosystem in Zeitlupe.

Rund 244 Hektar Moor, davon 64 Hektar Natur- und Europaschutzgebiet, gespeist allein durch Regenwasser. Gewachsen seit der letzten Eiszeit, abgebaut in zweihundert Jahren.

Moor, Rohstoff, Moor

Ein Moor wächst etwa einen Millimeter im Jahr. Was der Bagger in einer Stunde abträgt, hat die Natur in Jahrhunderten aufgebaut.

Unter sauren, sauerstoffarmen Bedingungen zersetzt sich pflanzliches Material kaum – es wird zu Torf. Diese Schicht speichert Wasser und hält den Boden sauer.

Das Bürmooser Moor gehört zum größten zusammenhängenden Moorgebiet Österreichs: Mit dem Weidmoos und dem Ibmer Moor in Oberösterreich sind es rund 2.000 Hektar.

Genau dieser Torf machte das Moor zum Rohstofflager. Ab 1802 urkundlich belegt, ab 1872 industriell: Torf befeuerte die Glashütte und die Ziegelöfen von Bürmoos. Die Entwässerung, die den Abbau erst möglich machte, hat den Wasserhaushalt der gesamten Region verändert.

Seit 1983 arbeiten wir an der Umkehr. Wir stauen Gräben auf, entfernen aufkommende Gehölze, mähen Streuwiesen spät und lassen Totholz liegen. Der Rest ist Geduld.

EU-Vogelschutzgebiet Natura 2000 FFH-Gebiet Kammmolch seit 2014
Torfmoospolster im Bürmooser Moor
Torfmoos speichert das Vielfache seines Eigengewichts an Wasser. Es ist der Baumeister des Moores.
Bodenkunde in vier Schritten

Wie ein Hochmoor entsteht.

Ein Hochmoor ist kein Sumpf und kein See, sondern ein Archiv. Jede Schicht ist ein Jahr — und alles, was hineinfällt, bleibt erhalten: Pollen, Hölzer, manchmal ganze Fundstücke.

Vom Eis zum Moor

Vor über 20.000 Jahren

Bürmoos unter dem Eis.

In der letzten Eiszeit schiebt sich der Salzachgletscher weit ins Alpenvorland hinaus, bis Ibm. Dort schüttet er einen Wall aus Schutt auf, die Endmoräne; ihre Hügel sieht man heute noch. Bürmoos liegt tief unter dem Eis, nur der Gipfelkamm des Haunsbergs ragt heraus.

Vor rund 18.000 Jahren

Ein See bleibt zurück.

Der Gletscher zieht sich aus dem Vorland zurück. In der Senke, die er ausgeschürft hat, staut die Endmoräne einen See auf. Auf seinem Grund setzt sich feiner Ton ab. Dieser Seeton ist bis heute so dicht, dass das Regenwasser nicht versickert.

Vor rund 12.000 Jahren

Der See verlandet.

Die Salzach gräbt sich durch den Moränenwall, der Wasserspiegel sinkt. Vom Ufer her wachsen Schilf und Seggen in den See, abgestorbene Pflanzen füllen ihn nach und nach auf. Vor mindestens 12.000 Jahren beginnt in der Senke der Torf zu wachsen; im Ibmer Moor ist das nachgewiesen.

Bis ins 19. Jahrhundert

Ein Hochmoor wächst.

Torfmoos übernimmt und baut das Moor Schicht um Schicht auf, über das Grundwasser hinaus und mehrere Meter hoch. Zwischen Ibm, Weidmoos und Bürmoos wächst so eine einzige große Moorlandschaft. Gesiedelt wird auf den Hügeln ringsum, davon zeugen Funde in St. Georgen, Göming, Nußdorf und Michaelbeuern. Das Moor selbst bleibt bis ins 19. Jahrhundert fast unbewohnt.

Was Menschen im Moor versenkten →

Schnitt vom Haunsberg bis Ibm, schematisch und stark überhöht.

1

Wasser staut sich

In einer Senke sammelt sich Wasser. Ist der Boden darunter dicht, wie der Seeton in Bürmoos, kann es nicht versickern.

2

Pflanzen sterben, zersetzen sich aber nicht

Unter Wasser fehlt Sauerstoff. Was absinkt, verrottet nicht vollständig, sondern bleibt als Schicht liegen.

3

Torfmoos übernimmt

Sphagnum wächst oben weiter und stirbt unten ab. Es säuert sein Umfeld an und speichert das Vielfache seines Gewichts an Wasser — das Moor macht sich seinen Lebensraum selbst.

4

Allein vom Regen

So wächst die Torfschicht. Ein Hochmoor lebt dabei allein vom Regen, nicht vom Grundwasser.

Torfmoos, Sphagnum: die Pflanze, um die es hier geht. Sie hat keine Wurzeln; das abgestorbene Material unter dem grünen Polster ist der Torf.
Torf als Zeitmaßstab

Was ein Meter
Torf erzählt.

Ein Moor rechnet in Jahrhunderten. Diese Säule zeigt einen Meter Torf, so wie er wächst: einen Millimeter im Jahr.

Seit der letzten Eiszeit

Schicht um Schicht.

Jedes Jahr kommt etwa ein Millimeter Torf dazu. Scrollen Sie weiter: Die Säule zeigt, was daraus in tausend Jahren wird.

Ein Meter · tausend Jahre

Tausend Jahre in einem Meter.

Ein Meter Torf sind rund tausend Jahre. Die untersten Schichten wuchsen, als in Salzburg noch romanisch gebaut wurde. Die obersten 22 Zentimeter sind erst seit 1802 entstanden, seit der Torf in Bürmoos zum ersten Mal erwähnt wird.

Jede dieser Schichten bewahrt, was damals hier wuchs: Pollen, Samen und Pflanzenreste bleiben im nassen Torf über Jahrhunderte erhalten. Der Torf, der heute noch im Boden liegt, ist eine Datenbank der Artenvielfalt. Wir wollen sie erhalten, und auch deshalb stauen wir die Gräben auf: Trocknet der Torf aus, zersetzt er sich, und mit ihm verschwindet, was er gespeichert hat.

1802 bis 1953

Dann kam der Spaten.

Um 1900 arbeiteten hier bis zu 600 Torfstecher. Eine Zweierpartie aus Stecher und Radler schaffte etwa 3.000 Wasen am Tag. In manchen Jahren gingen mehr als 100.000 Kubikmeter Torf in die Glas- und Ziegelöfen.

1953 bis 2000

Dann die Maschine.

Ab 1953 frästen die Stickstoffwerke Linz große Flächen maschinell ab. Im Jahr 2000 waren die Lager erschöpft. Zurück blieb eine wüstenähnliche Fläche, teilweise bis auf den Lehm abgetragen.

Seit 1983

Es wächst wieder.

Wo der Verein Gräben aufstaut, bleibt das Regenwasser in der Fläche, und Torfmoos kann sich wieder ansiedeln. In den Jahren seit 1983 sind das im besten Fall gut vier Zentimeter. Die gestrichelte Linie zeigt, was einmal da war.

Und jetzt

Ein Meter braucht tausend Jahre.

Wenn alles gut geht und nichts mehr entwässert wird, ist dieser eine Meter irgendwann um das Jahr

3000

wieder voll. Deshalb sagen wir: Wir geben dem Moor seine Zeit zurück.

Zum Vergleich

Um 1900 wurden in manchen Jahren über 100.000 m³ Torf gestochen. Selbst wenn auf allen 244 Hektar des Moors wieder Torf wüchse, einen Millimeter im Jahr, wären das 2.440 m³ pro Jahr.

100.000 m³ ÷ 2.440 m³ ≈ 41 Jahre für die Menge eines einzigen Jahres von damals.

Die Säule ist ein Zeitmaßstab, keine Bohrprobe aus Bürmoos: Sie zeigt einen Meter Torf bei einem Millimeter Wachstum im Jahr.

Der eigentliche Baustoff

Alles hängt
am Wasser.

Ohne dauerhaft hohen Wasserstand wächst kein Torfmoos, und ohne Torfmoos entsteht kein Torf. Fast jede Maßnahme im Gebiet dreht sich deshalb um dieselbe Frage: Wie bleibt das Wasser da?

Torfmoos ist ein Schwamm Ein Gramm trockenes Torfmoos hält etwa 20 Gramm Wasser. So hält das Moor den Regen fest und gibt ihn nur langsam wieder ab.
Dauerhaft nasse Flächen
Dauerhaft nasse Flächen Schilf, offene Wasserfläche, flaches Ufer — so sieht es aus, wenn der Wasserstand oben bleibt.
Ein alter Torfstich füllt sich
Ein alter Torfstich füllt sich Wo Torf entnommen wurde, steht Wasser. Moose und Birken besiedeln die Ränder von selbst.
Warum Moore zählen

Drei Prozent der Landfläche. Ein Drittel des Kohlenstoffs.

Moore bedecken nur rund 3 % der weltweiten Landfläche, speichern aber bis zu einem Drittel des im Boden gebundenen Kohlenstoffs. Solange sie nass sind.

Entwässert

Der Graben zieht das Wasser ab.

Für den Abbau wurde das Moor mit Gräben entwässert. Sinkt der Wasserstand, kommt Luft an den Torf. Er zersetzt sich, CO₂ und Methan entweichen, und mit dem Torf geht auch verloren, was er seit Jahrhunderten bewahrt hat. Entwässerte Moore gehören zu den größten Einzelquellen von Treibhausgasen im Landnutzungssektor.

Aufgestaut

Ein Wehr hält es zurück.

Der Verein setzt Wehre in die alten Gräben. Das Regenwasser bleibt in der Fläche, und der Wasserstand im Torf steigt bis knapp unter die Oberfläche.

Wieder nass

Die Zersetzung stoppt.

Bleibt der Torfkörper nass, kommt keine Luft mehr hinein. Torfmoose siedeln sich wieder an und beginnen, Kohlenstoff einzulagern, statt ihn abzugeben.

Der Wasserhaushalt profitiert mit: Ein intaktes Moor wirkt wie ein Schwamm. Es puffert Starkregen ab und gibt Wasser in Trockenzeiten langsam wieder an die Landschaft ab.

Aufgestauter Graben

So sieht Wiedervernässung in der Praxis aus: ein aufgestauter Entwässerungsgraben. Braun ist das Wasser von Huminsäuren aus dem Torf. Jeder Zentimeter, den das Wehr höher hält, bleibt im Moorkörper statt im Vorfluter.

Moorwissen

Mythos oder
Wahrheit?

Sechs Sätze, die man über Moore hört. Tippen Sie eine Karte an, dann dreht sie sich um.

Nachschlagen

Moor-Lexikon.

Vierzehn Begriffe, die am Weg, auf den Schautafeln und in diesen Texten immer wieder auftauchen.

Torf
Nicht vollständig zersetzte Pflanzenreste. Entsteht unter Wasser und Sauerstoffmangel, wächst etwa einen Millimeter im Jahr.
Torfmoos
Botanisch Sphagnum. Die wichtigste Pflanze im Moor: Sie bildet den Torf, hält das Wasser zurück und säuert den Boden an.
Hochmoor
Ein Moor, das allein von Regenwasser gespeist wird und über den Grundwasserspiegel hinauswächst. Nährstoffarm und sauer.
Wasen
Der gestochene Torfziegel. Wurde über den Herbst getrocknet und dann in den Torfhütten eingelagert.
Bockerl
Die kleine, mit Torf beladene Lore auf Schienen. Namensgeber der Bockerlbahn.
Radler und Kastler
Die Arbeitsteilung beim Torfstechen: Der Stecher sticht, der Radler fährt ab, der Kastler formt. Eine Zweierpartie schaffte rund 3.000 Wasen am Tag.
Frästorf
Maschineller Abbau: Die Oberfläche wird abgefräst und getrocknet abgesaugt. Ab 1953 in Bürmoos im Einsatz, bis 2000.
Wiedervernässung
Gräben werden aufgestaut oder verschlossen, damit das Wasser wieder in der Fläche bleibt. Die Grundlage jeder Moorrenaturierung.
Streuwiese
Feuchtwiese, die spät gemäht und nicht gedüngt wird. Das Mähgut kommt weg — nur so bleibt sie mager und artenreich.
Grundlose
Bürmooser Bezeichnung für Stellen, an denen der Boden keinen Halt bot. Heute Name eines Gewässers und einer Straße.
Josefitag
Der 19. März. Traditioneller Beginn der Torfstichsaison — davor war der Boden gefroren.
Neophyt
Eingewanderte Pflanzenart. Im Bürmooser Moor vor allem das Drüsige Springkraut, das heimische Arten verdrängt.
Natura 2000
Europäisches Schutzgebietsnetz. Das Bürmooser Moor ist Vogelschutzgebiet und seit 2014 zusätzlich FFH-Gebiet für den Kammmolch.
Torfkurier
Die Vereinszeitung. Erscheint zweimal im Jahr und geht an alle Mitglieder.
Ein Millimeter im Jahr

Das Moor braucht Zeit. Wir haben sie.

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